Ausbau der Schuldnerberatung in RLP

Staatssekretär Christoph Habermann vom Ministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Familie und Frauen antwortete auf eine Kleine Anfrage der Landtagsabgeordneten Ulla Schmidt in Mainz, dass die Schuldnerberatung im Land ausgebaut würde.

Insgesamt würden 51 Schuldnerberatungsstellen mit 69 Fachberatungskräften in Vollzeit gefördert. Zusätzlich zur beschlossenen Aufstockung um vier Teilzeitkräfte werde ein weiterer Ausbau der Beratungsstellen angestrebt, so der Staatssekretär.

Die Gesamtfördersumme betrage rund 1,9 Millionen Euro. In diesem Betrag sei neben den genannten Beratungskräften auch die Förderung von weiteren 5,5 Fachkräften in der Schuldnerberatung der Suchtkrankenhilfe und des Schuldnerfachberatungszentrums enthalten. Trotz der knappen Haushaltsmittel würden die Beratungskapazitäten aufgestockt, was einer Erhöhung von knapp vier Prozent entspräche.

Doppelhaushalt 2009/2010 beschlossen

Meldung der Mainzer Rheinzeitung zum Doppelhaushalt, der im Dezember vom Landtag beschlossenen wurde: "Die Mittel für Schuldner- und Insolvenzberatung werden im Doppelhaushalt 2009/2010 um insgesamt 52 000 Euro aufgestockt. Damit sollen zwei weitere volle Beratungsstellen finanziert werden." Die gesamte Meldung:
http://rhein-zeitung.de/on/08/12/15/rlp/t/rzo512622.html

Hintergrund:
Schuldnerberatung rechnet sich auch für Staat und Gesellschaft

Nach regionalen Untersuchungen zur Wirksamkeit der Schuldnerberatung an der Universität Mainz gab es auch eine bundesweite Untersuchung im Auftrag des Bundesfamilienministeriums. Dabei werden Wirkungen nachgewiesen, die in Bezug auf verschiedene Ausprägungen auch beziffert werden können und insgesamt nachhaltige Veränderungen darstellen:

Kuhlemann, Astrid / Walbrühl, Ulrich (2007): Wirksamkeit von Schuldnerberatung in Deutschland. Expertise im Auftrag des Bundesministeriums für Familie, Frauen, Senioren und Jugend. Gummersbach. S. 4-5, S. 16.

Im 3. Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung sind zentrale Punkte der Studie zusammengefasst:

"II.3.4 Stärkung der Schuldnerberatungsstellen

Die Schuldnerberatung versucht zunehmend auch präventiv zu agieren, in dem Berater z. B. im Schulunterricht einen verantwortungsvollen Umgang mit Krediten vermitteln. Ihr bisheriger Arbeitsschwerpunkt ist aber die Hilfestellung, wenn Zahlungsrückstände und Überschuldungen bereits eingetreten sind und ein Prozess der Entschuldung auch jenseits des Insolvenzverfahrens organisiert werden muss.

Eine Studie zur Wirksamkeit von Schuldnerberatung in Deutschland belegt, dass sich nach durchschnittlich acht Monaten Beratung die Arbeitssituation der 1021 befragten Personen deutlich verbesserte:

• Der Anteil an Klienten mit sicherem Arbeitsplatz stieg um 39%.
• Die Zahl der nichtberufstätigen Klienten/Klientinnen verringerte sich um 10,8%.
• Das aus Lohn und Gehalt erzielte Einkommen der Befragten stieg während der achtmonatigen Beratung um 8,3%.
• Der Anteil unter den nichtberufstätigen Klienten/Klientinnen, für die die Schuldensituation ein Vermittlungshemmnis darstellt, verringerte sich um etwa 40%.
• Die staatlichen und kommunalen Leistungen für die 1021 Klienten/Klientinnen der Stichprobe (Arbeitslosengeld, Grundsicherung für Arbeitsuchende, Wohngeld, Sozialhilfe) verringerten sich bezogen auf das gesamte Jahr um ca. 380.000 Euro.
• Bei den Klienten, die nicht das Verbraucherinsolvenzverfahren angestrebt haben (durchschnittliche Schuldenhöhe dieser Teilstichprobe zu Beginn der Beratung: knapp 17.000 Euro), ist die Schuldenhöhe nach achtmonatiger Beratung um 33% gesunken.

Auch im psychosozialen Bereich zeigt sich, dass sich nach acht Monaten nicht nur die subjektive körperliche Verfassung der Klienten/Klientinnen, sondern auch ihre familiäre Situation verbesserte. Auch gewinnen die Klienten/Klientinnen durch die Schuldnerberatung eine positivere Lebenseinstellung."

Quelle: 3. Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung (PDF). S. 182f.

Vorausgehende Studien (Dissertationen Universität Mainz 2005):

Kuhlemann, Astrid / Walbrühl, Ulrich (2006): Wirksamkeit von Schuldnerberatung. Zweiteiliges Werk.

  • Kuhlemann, Astrid (2006): Teil 1. Empirische Untersuchungen zur Evaluation. Hamburg.

  • Walbrühl, Ulrich (2006): Teil 2. Zusammenhänge mit Ressourcen und Lerngeschichte der Klienten - Implikationen für die Praxis. Hamburg.